Gedanken zu: DURCH RAUM UND ZEIT

 

Die Bienenwaben im Bild sind eine Metapher für gemeinsam etwas zu schaffen, was ein Einzelner oder eine kleinere Gruppe niemals erreichen würde, zum Beispiel die Errungenschaften in der Wissenschaft, in der Medizin, oder auch die Schaffung einer funktionierenden Demokratie.

 

Die Wurzeln im Kunstwerk versinnbildlichen, dass alle Lebewesen mit der Erde verwurzelt sind und von ihr abhängen. Somit ist die Achtung anderer und des Lebensraumes essentiell.

 

Der Kreis aus Blattgold stellt einen Lebenskreis dar, ohne Anfang und Ende, aber immer in Bewegung. Andererseits wird das Gefangensein in zu viel „Gold“, sprich die Wohlstandsverwahrlosung in ihren vielen Facetten, durch den goldenen Kreisausschnitt versinnbildlicht.

  

Die Schrift im Kunstwerk stellt eine Metapher für die Kommunikation auch mit Unbekannten durch Raum und Zeit dar. Viele Schriften bewegen uns, obwohl die Verfasser in einer anderen Zeit lebten oder in einem anderen Kulturkreis verhaftet sind.

 

 

© Alois Seethaler

 



Gedanken zu DIE HALBE WAHRHEIT

Ist die halbe Wahrheit verlogener als die Lüge? Was ist wirklich wahr? In Anlehnung an die Laokoon-Gruppe  kämpfen in meinem Bild Jim Morrison, Jimi Hendrix  und Kurt Cobain mit der halben Wahrheit in Form einer Schlange. Drei Künstler, die mit ihrem Ruhm und ihrer

 

Drogensucht zu kämpfen hatten und wahrscheinlich ihre Wahrheit nicht gefunden haben.

 

© Alois Seethaler

 


Gedanken zu WAHRHEITSANNÄHERUNGSVERSUCH

Sie haben die Wahrheit zuerst auf das Kreuz genagelt. Später nagelten andere die Wahrheit als Miniatur an die Wand. Dort haben sie die Wahrheit hängen lassen.

© Alois Seethaler

 




Gedanken zu WHAT ELSE

Dieses Bild stammt aus meinen „Ikonenzyklus“. Dabei befasse ich mich mit Werbung, die um gewisse Markenartikel einen solchen Kultstatus aufbaut, dass man ironisch fast von einem  Religionsersatz sprechen kann. What else? – dieser Spruch aus  der  Kaffeewerbung mit George Clooney ist durch die massive Werbung allgemein bekannt und verkauft Kaffee, als wäre dieser eine Weltanschauung. 

 

Mit einer gewissen Ironie habe ich zwei weitere Ikonen, nämlich James Dean und Elisabeth Taylor dargestellt. Die Szene stammt aus dem Film "Giganten", wo James Dean mit dem Gewehr über der Schulter fast die Haltung eines Gekreuzigten einnimmt und Liz Taylor vor ihm kniet wie die Mutter Gottes.

 

Mich faszinieren Darstellungen aus Religion und Geschichte im neuen Kontext mit Werbung und Konsumentenbeeinflussung.

 

© Alois Seethaler

 


Gedanken zu BERÜHRUNG

In diesem Kunstwerk ist die „Sixtinische Madonna“ von Raffael in eine  fragmentarische Spiegelbildansicht integriert. Im Bildzentrum sind die Hände von Michelangelos „Die Erschaffung Adams“ dargestellt. Doch mit dem Porträt der Madonna stimmt etwas nicht. Im Oberbereich ist das Porträt der Madonna durch Marilyn ersetzt und im Unterbereich ist zwar die Madonna vorhanden, jedoch hält sie statt dem Jesuskind Mickey Mouse im Arm.  Dieses Kunstwerk stellt einen Berührungspunkt von vermeintlichen Gegensätzen her.

Es soll Berührungen von verschiedenen Kulturen, von verschiedenen Denkweisen und von alten und neuen Zeiten  darstellen. In solchen geistigen Berührungen werden Dinge oft vermischt, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben. Im Laufe der Zeit merken wir, dass sich vermeintliche Gegensätze zu etwas Neuem entwickeln. Wir lernen so, über den eigenen geistigen Tellerrand zu blicken.

© Alois Seethaler

 



Gedanken zu DER ATEM DER ZEIT

Mann und Frau stehen da, durchlöchert wie Schweizerkäse.  Auf den Körpern ist der Schriftzug „Die Zeit ist reif“ zu lesen. Auf einem Baumstumpf schlängelt sich ein transparenter  Schlauch mit Kabeln empor. Den Kopf dieser „Schlange“  bilden drei Überwachungskameras, die sich bei Bewegung einschalten. Die Löcher geben den Blick  in das Innere der  Figuren preis, wo Leere herrscht, gleich den Menschen,  die sich von den Massenmedien zu tief in die Seele blicken lassen, oder die durch zu viel Gier und Überfluss eine innere Leere verspüren.

 

Die Überwachungskameras und der Schlauch sind  Sinnbilder für ein Paradoxon: Menschen geben ihr  Innerstes an „soziale“ Netzwerke und „Freunde“ freiwillig  preis und lassen damit Großkonzerne Milliarden  verdienen. Andererseits schreien Menschen nach  Schutz der persönlichen Daten. Auf der Tasche der Frau und auf der Zeitung des Mannes befindet sich der Schriftzug „Gemeinsam einsam“. Was ich damit meine, dürfte selbsterklärend sein.

 

Der Schriftzug „Die Zeit ist reif“ stellt die Sehnsucht dar,  aus der ganzen Oberflächlichkeit und Leere der  kommerziellen Massenverblödung auszubrechen und   wieder Werte zu leben, die das Menschliche in   den Mittelpunkt stellen.

© Alois Seethaler